Bundesturnier in Olten (30. Mai bis 2. Juni): GM Nico Georgiadis gibt sich die Ehre – 15 Partien live im Internet

von Markus Angst

2011 feierte Nico Georgiadis (Dritter von links) beim Bundesturnier in Olten mit dem Gewinn des Bundesmeister-Titels seinen ersten grossen Triumph.

ma - Zum sechsten Mal nach 2003, 2009, 2011, 2014 und 2017 gastiert über die Auffahrtstage vom 30. Mai bis 2. Juni das Bundesturnier im Hotel «Arte» in Olten – zum vierten Mal organisiert vom lokalen Schachklub. Prominentester Teilnehmer ist Grossmeister Nico Georgiadis (Schindellegi), der 2011 in Olten mit 15 Jahren jüngster Bundesmeister in der Schweizer Schachgeschichte wurde und seinen Titelgewinn 2014 an gleicher Stätte wiederholte.

OK-Präsidentin Catherine Thürig und ihr gegenüber den drei vergangenen Oltner Bundesturnieren nahezu unverändertes Team erwarten – nachdem vor drei Jahren 349 Teilnehmer(innen) begrüsst werden durften – wiederum über 300 Spieler(innen). Darunter befinden sich auch einige, die ihr erstes Schachturnier spielen.

Denn der Schachklub Olten hat neben den reglementarisch vorgeschriebenen fünf Kategorien erneut ein fünfrundiges Hobbyturnier für Amateure ins Programm aufgenommen. «Damit bieten wir», so Catherine Thürig, «Freizeitspielern die Möglichkeit, unter ihresgleichen einmal wettkampfmässig ein paar Schachpartien zu spielen – ohne zu befürchten, gegen einen Klubspieler unterzugehen.»

Das Hauptinteresse der Schweizer Schachfamilie richtet sich natürlich auf das Hauptturnier I, in dem der beste Schweizer Spieler den Titel eines Bundesmeisters gewinnt. Neben einigen nichttitelberechtigten ausländischen Profis wie den drei Grossmeistern Christian Bauer (Frankreich), Mihajlo Stojanovic (Serbien) und Michail Kasakow (Ukraine) ragt ein Name besonders heraus. Grossmeister Nico Georgiadis kehrt zurück an die Stätte seines ersten grossen Triumphes.

2011 wurde der Schwyzer in Olten mit 15 Jahren jüngster Bundesmeister. 2014 feierte der Schweizer Meister U14 und U16 2010 sowie U16 und U18 2011 bei seinem zweiten Auftritt im Hotel «Arte» seinen zweiten Titelgewinn. «Wir freuen uns, dass wir Nico Georgiadis als Zugpferd für einen Auftritt an unserem Turnier gewinnen konnten», kommentiert Catherine Thürig die Rückkehr der aktuellen Nummer 3 des Schweizer Rankings in die Dreitannenstadt.

Wiederum am Start ist auch der Sieger des letzten Bundesturniers in Olten, Lokalmatador FM Bruno Kamber. Der 55-jährige Routinier hatte sich vor zwei Jahren überraschend zum vierten Mal nach 1998, 2001 und 2007 ins Goldene Buch dieses Traditionsturniers eingetragen. Zusammen mit den beiden Internationalen Meistern Edwin Bhend (1951/1953/1963/1967) und Hansjürg Kaenel (1983/1989/1991/1996) ist Bruno Kamber damit der erfolgreichste Spieler in der 95-jährigen Geschichte des Bundesturniers. Mit einem weiteren Titelgewinn könnte er heuer gar zum Rekordsieger werden.

Für viele Schweizer Schachspieler sind Olten als zentralste Stadt unseres Landes (ideal für die vielen Pendler) und das Hotel «Arte» mit seinen grosszügigen Spielbedingungen (ideal für Spieler und Zuschauer) zu einer Art «Wohnzimmer» für das Bundesturnier geworden. Auch wenn es primäres Ziel ist, den Teilnehmern optimale Spielbedingungen zu bieten, so hat der Schachklub Olten das Bundesturnier auch dieses Jahr zum Anlass genommen, Schach nachhaltig im Bewusstsein der regionalen Bevölkerung zu verankern.

Deshalb wurde im Vorfeld des Turniers in Zusammenarbeit mit dem Verein Die Schulschachprofis ein über acht Tage führender und von 13 Teilnehmern besuchter Schachkurs für Jugendliche angeboten – auch in der Hoffnung, dass der eine oder andere Kursabsolvent im Hobbyturnier spielen wird. Mitte Mai präsentierte sich der Schachklub Olten mit einer Open-air-Veranstaltung an ein paar Brettern mitten im Bahnhof Olten.

Und am Vorabend des ersten Turniertags gibt der 15-jährige FM Noah Fecker (Eggersriet), 2016 Schweizer Meister U12, 2017 Schweizer Meister U14, 2018 Schweizer Meister U16 und heuer Co-Favorit auf den Bundesmeister-Titel im «Arte» eine Simultanvorstellung an einem Dutzend Brettern für Behörden und Sponsoren.

15 Live-Partien auf der SSB-Homepage

Erstmals werden auf der SSB-Homepage (http://www.swisschess.ch/live-uebertragung-1936.html) 15 Bundesturnier-Partien live im Internet übertragen. «Wir freuen uns, dass der Name der Stadt Olten damit in die ganze Welt hinausgetragen wird, freuen uns aber auch auf viele Live-Zuschauer im Hotel ‚Arte‘», sagt OK-Präsidentin Catherine Thürig.

Programm des Bundesturniers

Donnerstag, 30. Mai: 9.45–11 Uhr Präsenzkontrolle, 11.45 Uhr 1. Runde, 17.15 Uhr 2. Runde.

Freitag, 31. Mai: 10 Uhr 3. Runde, 15.30 Uhr 4. Runde.

Samstag, 1. Juni: 10 Uhr 5. Runde, 15.30 Uhr 6. Runde.

Sonntag, 2. Juni: 10 Uhr 7. Runde, 15 Uhr Siegerehrung.

Für alle sechs Kategorien kann man sich im Hotel «Arte» am Auffahrts-Donnerstag zwischen 9.45 und 11 Uhr noch nachmelden.

Hier finden Sie alle wichtigen Infos zum Bundesturnier (Ausschreibung, Programm, Startranglisten, Resultate, Zwischenranglisten): http://www.swisschess.ch/bt_2019.html

Auf der Homepage des Schachklubs Olten finden Sie jeden Abend einen aktuellen Zwischenbericht: https://skolten.ch/clubdesk/www?p=1000049


Bundesturnier in Ittigen: GM Noël Studer erstmals Bundesmeister – Richard Zweifel überraschend zweitbester Schweizer – IM Nikita Petrow gewinnt das Hauptturnier I

von Markus Angst

Die Sieger des Bundesturniers in Ittigen (von links): Primo Franz (ST II), Antonin Robert (ST I), IM Nikita Petrow (HT I), GM Noël Studer (Bundesmeister), Alexander Melnik (HT II), Reto Egger (HT III), Felix Frei (Jugendturnier).

ma - Grossmeister Noël Studer (Muri/BE) wurde beim Bundesturnier im Haus des Sports im bernischen Ittigen seiner Favoritenrolle gerecht und wurde erstmals Bundesmeister. Der 21-jährige Berner Schachprofi war im Hauptturnier I hinter den sechs nicht titelberechtigten Ausländern IM Nikita Petrow (Genf/Rus), GM Mikhail Kasakow (Ukr), Andrea La Manna (It), IM Srdjan Zakic (Ser), GM Mihajlo Stojanovic (Ser) und GM Vadim Schischkin (Ukr) als Siebtplatzierter bester Schweizer.

Der Titelgewinn des Schweizer Meisters von 2016 hing allerdings an einem seidenen Faden. Denn der direkt hinter ihm liegende Richard Zweifel (Zug) holte wie die sieben Erstrangierten 5½ Punkte aus sieben Runden, wies aber die schlechtere Zweitwertung auf. Der titellose 44-jährige Innerschweizer war als Startnummer 20 und lediglich als Nummer 13 unter den Schweizern im HT I die grosse Überraschung des Bundesturniers.

Er schlug in der Schlussrunde, in der Studer gegen Petrow in 14 Zügen remisierte, den Schweizer Vizejuniorenmeister Theo Stijve (Villars-sur-Glâne). Hätte der 17 ELO-Punkte mehr aufweisende Stijve das Verfolgerduell gewonnen, wäre der 16-jährige Freiburger nicht nur punktgleich mit Studer gewesen, sondern hätte auch die gleiche Zweitwertung verzeichnet…

Noël Studer, der am Samstagabend als zusätzliche Bundesturnier-Attraktion eine Simultanvorstellung an 15 Brettern gab und 13:2 gewann (Siege für den Junior Nicola Ramseyer und Samuel Sidler), und Richard Zweifel war gemeinsam, dass sie suboptimal ins Turnier gestartet waren. Studer gab in der 1. Runde gegen den 475 ELO-Punkte weniger aufweisenden Junior Benito Rusconi (St. Gallen) ein Remis ab. Zweifel, der zwischen 2001 und 2012 eine Schachpause eingelegt hatte, durch seinen Sohn Gavin (Nummer 4 des Schweizer U12-Rankings) wieder zum königlichen Spiel zurückfand und in den drei vergangenen Jahren von 2044 auf 2217 ELO kletterte, holte in den Runden 2 und 3 gegen die deutlich schwächeren Junioren Anatol Toth (Milken/Remis) und Tino Kornitzky (D/Niederlage) nur einen halben Punkt, ehe er noch viermal gewann.

Das Hauptturnier II gewann der Russe Alexander Melnik (Rus) mit 6 aus 7 vor Kurt Buntschu (Belp/5½) und dem sensationell von Startplatz 74 auf Rang 3 vorrückenden, für Chess4Kids spielenden, erst siebenjährigen Kala Kishan Udipi (Zürich/5½). Im Hauptturnier III siegte Reto Egger (Feurthalen) mit 6½ aus 7 vor Oliver Thalmann (Uetikon am See/5½) und Armando Hauser (Fribourg/5½).

Die beiden Seniorenturniere gingen an Antonin Robert (Chez-le-Bart/ST I/4 aus 5) und Primo Franz (Fétigny/ST II/4½ aus 5). Das Jugendturnier entschied Felix Frei (Bern) mit 6½ aus 7 für sich.

Das von OK-Präsident Heinz Ernst und seinem Team perfekt organisierte Bundesturnier wurde mit einem Grossaufmarsch von 348 Teilnehmern (genau gleich viele wie vor Jahresfrist in Olten und 2016 in Payerne!) belohnt. Das nächste Bundesturnier findet in Ermangelung anderer Kandidaten zum sechsten Mal nach 2003, 2009, 2011, 2014 und 2017 in Olten statt (30. Mai bis 2. Juni 2019 wiederum im Hotel «Arte»).

Die Bundesmeister der letzten 10 Jahre

2018 (Ittigen) Noël Studer

2017 (Olten) Bruno Kamber

2016 (Payerne) Andreas Huss

2015 (Münchenstein) Joe Gallagher

2014 (Olten) Nico Georgiadis

2013 (Romanshorn) Julian Schärer

2012 (Fribourg) Andreas Huss

2011 (Olten) Nico Georgiadis

2010 (Hergiswil) Richard Gerber

2009 (Olten) Jonas Wyss

Die Resultate und Schlussranglisten des Bundesturniers in Ittigen finden Sie hier: http://www.swisschess.ch/bt_2018.html

Lesen Sie ein Porträt des neuen Bundesmeisters Noël Studer in der «Berner Zeitung»: https://www.bernerzeitung.ch/sport/weitere/wider-die-klischees/story/14807792