Monatsinterview mit David Monnier: «Unsere Einführungskurse sind ausgebucht»

von Bernard Bovigny (Kommentare: 3)

David Monnier: «Wir ermutigen die Jugendlichen schon im jungen Alter, Jugendleiter für noch Jüngere zu werden, um die Trainer bei gut besuchten Kursen zu unterstützen.» (Foto: A.Wicht / La Liberté)

beb - David Monnier ist seit deren Gründung 2007 Direktor der Schachschule der Broye (Ecole d’échecs de la Broye/EEB). Dieses Ausbildungszentrum in Payerne zählt aktuell 170 Kursbesucher, davon 150 Junioren. «Und wir haben eine Warteliste für diese Kurse», so der 36-jährige Lehrer.

Die EEB hat einige Talente wie FM Simon Stoeri, seine Schwester WFM Laura Stoeri, Theo Stijve und viele andere Junge hervorgebracht, die it Payerne in der SMM in der Nationalliga B spielen. Sein Rezept, um die Jungen zu behalten? «Wir motivieren sie, Trainer für die Jüngeren zu werden».

Welche Schachfigur spiegelt ihren Charakter am besten wider und weshalb?

Der Bauer. Wenn er gut mit den anderen zusammenarbeitet, wird ihre Struktur stark. Alleine kann er wenig bewirken.

Welche Person(en) hat (haben) Sie am meisten geprägt? In schachlicher Hinsicht?

Ich bin tatsächlich im Schachumfeld auf die Person gestossen, die mein Leben geprägt hat. Es handelt sich dabei um Jean-Paul Rohrbach, Präsident des Schachklubs Payerne während nahezu 20 Jahren. Er hat mich als Junior in den Klub aufgenommen, mich begleitet, mir die Jüngeren anvertraut, mich in den Vorstand aufgenommen und mir später das Präsidentenamt übergeben. Das schönste Kapitel, das wir zusammen geschrieben haben, ist zweifelsohne die Gründung der Schachschule der Broye. Ich habe ihn auch immer für seine sportlichen Leistungen ausserhalb des Schachsports bewundert. Er lief den Supermarathon von Hoggar, die 100 km von Biel, Sierre-Zinal und einige Dutzend Marathons. Seinen 3 Stunden und 2 Minuten für diese mystische Distanz möchte ich mich eines Tages auch annähern. Seine Lebensart inspiriert mich, er ist ein Macher.

Welche Rolle spielt Schach in Ihrem Leben?

Die Führung der Schachschule ist eine Leidenschaft geworden. Zu sehen, wie die Jugendlichen und weniger Jungen aufgrund unserer Strukturen und im Kontakt mit den Klubverantwortlichen und Trainern Fortschritte machen, befriedigt mich sehr. Der Schachunterricht hat auch einen prioritären Stellenwert in meinem täglichen Leben.

Wie erklären Sie einem Laien die Faszination des Schachspiels?

Indem ich ihn einlade, bei unseren Kursen und den Turnieren, die wir organisieren, hereinzuschauen. Die Begeisterung der Junioren und der Erwachsenen für Schach macht jede Erklärung unnötig…

Der Schweizerische Schachbund leidet seit Jahren an einem Mitgliederschwund – mit welchen Massnahmen würden Sie diesen Trend stoppen?

In Payerne sind das Einführungsjahr und die folgenden vier Kursjahre für Jugendliche gratis. Zufall oder nicht, unsere Einführungskurse sind ausgebucht (jedes Jahr 50 Jugendliche) und für die Kurse der Niveaus 1 und 2 haben wir eine Warteliste, da alle Plätze (mit 48 Jugendlichen) ausgebucht sind. Die Unentgeltlichkeit funktioniert. Aber die Trainer müssen entschädigt werden, deshalb ist die Aufnahme des Schachsports in das Jugend+Sport-Programm unerlässlich! Ich möchte den SSB vehement ermutigen, seine Bemühungen in diese Richtung zu verdoppeln, denn das ist die Grundlage, damit die Klubs die Basis der Pyramide verbreitern können.

Wie erreichen Sie, die Jugendlichen in Ihrem Klub zu behalten, wenn sie ins Erwachsenenalter kommen?

Wir ermutigen sie schon im jungen Alter, Jugendleiter für noch Jüngere zu werden, um die Trainer bei gut besuchten Kursen zu unterstützen. Danach bleiben die einen bei ihrer Rolle als Tutor, andere werden selbst Trainer. Die Jungen übernehmen auch mehr und mehr Verantwortung in der Organisation unserer Turniere, als Turnierleiter oder Schiedsrichter. Schliesslich versuchen wir, die sehr engagierten in den Vorstand des Klubs und der Schachschule zu integrieren.

Welche Ratschläge geben Sie anderen Klubs, die mit dem Gedanken spielen Schachkurse anzubieten?

Das Geheimnis, in der Ausbildung zu bestehen? Ich habe es von Jean-Paul Rohrbach, dem ehemaligem Präsidenten des Schachklub Payerne und Gründer der Jugendsektion 1993 erfahren: Man muss unbedingt jede Woche präsent sein, ohne Ausnahme, für Junge und weniger Junge. Zudem muss man alles unternehmen, um Jahr für Jahr weiter zu bestehen und darf ganz gewiss nicht von einem Tag auf den anderen aufgeben und alles verlieren, was erreicht worden ist.

Warum gibt es so wenig schachspielende Frauen?

Das ist eine Frage, die mich seit langem beschäftigt, und wenn ich eine wirksame Antwort wüsste, würde ich sie umsetzen, damit die Mädchen nicht nur in unseren Einführungskursen gleich stark vertreten sind wie die Jungs.

Was und wann haben Sie zuletzt neu erlernt?

Ich habe das Ski-Langlaufen entdeckt. Was ich dabei besonders toll finde: Manchmal besteht der Eindruck, dieser Sport sei etwas für die Alten, dabei ist er wirklich für jedes Alter ideal…wie Schach.

Für was können Sie sich begeistern?

Ausserhalb des Schachs bin ich auch noch Leichtathletik-Trainer. Aktuell bereite ich mich für meinen dritten Marathonlauf vor, und im Sommer sind es Bergwanderungen, die mich seit bald 20 Jahren begeistern.

Was stört Sie in der Schweiz? Was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?

Die Angst vor Personen mit Wurzeln im Ausland, die doch während eines Jahrhunderts aktiv zur Bereicherung unseres Landes beigetragen haben, die dies immer noch tun und die Schweiz mit einer bemerkenswerten Multikultur beschenken. Dieser oft unterschwellige Rassismus macht mich rasend – genauso wie die politischen Parteien, die diese Furcht schüren. Dank meines Berufs als Lehrer wie auch meiner Rolle in der Schachschule erlebe ich den Alltag mit Jugendlichen aus allen Himmelsrichtungen. Mit nichts in der Welt würde ich diese Vielseitigkeit tauschen, die ein wahres Privileg ist.

Welche Länder/Orte haben Sie bereist, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und warum?

Eben die Schweiz. Ich habe sie schon dreimal durchquert, zu Fuss mit dem Rucksack, von Norden nach Süden, vom Osten in den Westen. Unsere Landschaften sind von unglaublicher Schönheit und unendlich abwechslungsreich.

Welchen Traum würden Sie sich gerne noch erfüllen?

Ich habe keine grossen Träume. Ich bin mir bewusst, als Bewohner dieser Region der Welt und bei guter Gesundheit privilegiert zu sein. Dies erlaubt mir, das gewünschte Leben zu leben und selbst gewählte Projekte zu realisieren.

Interview: Bernard Bovigny/Übersetzung: Maurice Gisler

 

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Alex Schiendorfer Kommentar von Alex Schiendorfer |

David, Ecole d’échecs de la Broye ist etwas vom grossartigsten was ich in Zusammenhang mit Jugendschach in der Schweiz je gesehen habe. Eine Inspiration! Gruess Alex

Markus Regez Kommentar von Markus Regez |

Die Idee, junge Spieler zu motivieren, dass sie Trainer für die noch jüngeren werden ist sicher ein wichtiger Schlüssel für den grossen Erfolg der Schachschule in Payerne. Aber ohne Herzblut und Organisationstalent geht es auch nicht! Gratulation zur tollen Entwicklung der Schule und weiterhin viel Erfolg. Markus

Zeljko Knezevic Kommentar von Zeljko Knezevic |

Es ist grosse Arbeit in diese Schule gesteckt. Klasse! Gratuliere! Zeljko

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