Abschluss des Mitropa-Cups in Isola Capo Rizzuto (It): Die Schweizer fallen noch auf den 4. Rang zurück – Fabian Bänziger wird Internationaler Meister!

von Markus Angst

Das erfolgreiche Schweizer Mitropa-Cup-Team mit (hinten von links) Playing Captain GM Jenni, GM Bogner, (vorne von links) IM Gähwiler, GM Studer und Neu-IM Bänziger. Hinten rechts: Angelo Martorelli vom italienischen Schachverband.

ma - Freud und Leid lagen bei der Schweizer Nationalmannschaft nach der letzten Runde des Mitropa-Cups in Isola Capo Rizzuto (It) nahe beieinander. Die Equipe des Schweizerischen Schachbundes (SSB) fiel nach der 1½:2½-Niederlage gegen das leicht schwächer eingestufte Tschechien noch aus den Medaillenrängen und landete hinter den drei Topgesetzten Italien, Ungarn und Deutschland auf Platz 4. Dafür durfte sich der erstmals für die Schweizer Nati spielende 16-jährige Team-Benjamin FM Fabian Bänziger nach seinem Remis in der Schlussrunde über seine dritte IM-Norm und damit über den Titel eines Internationalen Meisters freuen.

Im vorigen Jahr Letzte, dieses Jahr mit Mittelfeld-Ambitionen angereist: Trotz der verständlichen Enttäuschung über das knapp verpasste Podest nach sieben Runden ohne Niederlage haben die Schweizer allen Grund, erhobenen Hauptes aus Süditalien Richtung morgige 4. Nationalliga-A-Runde in der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft (SMM) abzureisen. Leider verloren ausgerechnet die beiden Schweizer Teamleader in der für die Medaillenvergabe entscheidenden Schlussrunde ihre erste Partie.

GM Sebastian Bogner unterlag dem 6 ELO-Punkte schwächeren GM Zbynek Hracek, und GM Noël Studer musste sich dem 73 ELO weniger aufweisenden IM Richard Biolek geschlagen geben. Dafür feierte GM Florian Jenni gegen den 16 ELO schwächeren FM Jan Vykouk seinen zweiten Sieg.

Und dank seines Unentschiedens mit Schwarz nach 45 Zügen gegen den 89 ELO stärkeren IM Lukas Cernousek holte FM Fabian Bänziger (Pfäffikon/SZ) mit 5 Punkten aus neun Partien seine dritte IM-Norm. Diese ist gleichbedeutend mit der Verleihung des Titels eines Internationalen Meisters. Denn der im Ranking des Weltschachbundes FIDE aktuell 2377 ELO-Punkte aufweisende Schwyzer hat die für den IM-Titel erforderliche 2400er-Grenze im letzten September mit 2411 bereits einmal überschritten.

Seine beiden ersten IM-Normen hatte Bänziger an den Schweizer Einzelmeisterschaften im Juli 2017 in Grächen (6½ aus 9 im Nationalturnier, was gleichbedeutend mit dem U20-Titel und der Bronzemedaille bei den Herren war) und im vergangenen April in der österreichischen Bundesliga (ebenfalls 6½ Punkte aus 9) geholt. Der am 16. Mai 16 Jahre alt gewordene Fabian Bänziger ist somit der jüngste IM in der Geschichte des Schweizer Schachs. Er löst GM Nico Georgiadis (Schindellegi) ab, der den IM-Titel 2013 im Alter von 17 Jahren und acht Monaten geholt hat.

Fabian Bänziger, der nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit als Profi voll aufs Schach setzt, war 2016 bereits der jüngste FIDE-Meister der Schweiz und vor Jahresfrist an der Schweizer Meisterschaft in Grächen mit Bronze jüngster Medaillengewinner bei den Herren. In seinem Palmarès hat er – neben gleich vielen Siegen im Schnellschach – sechs Schweizer Nachwuchstitel in den Partien mit normaler Bedenkzeit. 2012 wurde er U10-Meister, 2013 U12-Meister, 2015 U14-Meister, 2016 und 2017 U16-Meister, 2017 U20-Meister.

Schlussrangliste nach 9 Runden: 1. Italien 16 (23). 2. Ungarn 13 (22). 3. Deutschland 13 (21½). 4. Schweiz 12 (20). 5. Frankreich, Kroatien und Tschechien je 7 (16½). 8. Slowenien 6 (16). 9. Österreich 6 (15½). 10. Slowakei 3 (12½).

1. Runde: Schweiz (Nr. 6) - Slowakei (9) 2½:1½ (GM Studer - GM Repka ½:½, IM Gähwiler - IM Nayhebaver 0:1, FM Bänziger - FM Jablonicky 1:0, GM Jenni - FM Haring 1:0). Italien - Tschechien 2½:1½. Frankreich - Ungarn 1½:2½. Slowenien - Deutschland 1:3. Kroatien - Österreich 2:2.

2. Runde: Deutschland (3) - Schweiz 2:2 (GM Huschenbeth - GM Bogner ½:½, GM Kollars - Studer ½:½, IM Vogel - Bänziger ½:½, IM Perske - Jenni ½:½). Slowakei - Italien 1:3. Ungarn - Tschechien 2:2. Frankreich - Kroatien 2:2. Österreich - Slowenien 2½:1½.

3. Runde: Schweiz - Österreich (8) 2½:1½ (Bogner - IM Dragnev ½:½, Studer - IM Mesaros ½:½, Gähwiler - FM Blohberger 1:0, Bänziger - IM Kreisl ½:½). Italien - Deutschland 3:1. Kroatien - Ungarn 1:3. Tschechien - Slowakei 2:2. Slowenien - Frankreich 1:3.

4. Runde: Frankreich (5) - Schweiz 1:3 (GM Gozzoli - Bogner 0:1, GM Velten - Studer 0:1, IM Loiseau - Gähwiler ½:½, GM Guidarelli - Bänziger ½:½). Österreich - Italien 2:2. Ungarn - Slowakei 3:1. Deutschland - Tschechien 2:2. Kroatien - Slowenien 2:2.

5. Runde: Schweiz - Kroatien (4) 2½:1½ (Bogner - GM Kuljasevic 1:0, Studer - IM Plenca 1:0, Gähwiler - IM Tica 0:1, Bänziger - FM Serbis ½:½). Italien - Frankreich 2½:1½. Slowenien - Ungarn 2:2. Slowakei - Deutschland 1½:2½. Tschechien - Österreich 2½:1½.

6. Runde: Slowenien (10) - Schweiz 1½:2½ (IM Tomazini - Bogner 0:1, IM Drnovsek - Studer ½:½, Janzelj - Bänziger 0:1, FM Dobrovoljc - Jenni 1:0). Kroatien - Italien 1½:2½. Ungarn - Deutschland 2:2. Frankreich - Tschechien 2½:1½. Österreich - Slowakei 2½:1½.

7. Runde: Schweiz - Ungarn (2) 2:2 (Bogner - GM Mihok 1:0, Studer - IM Kantor ½:½, Gähwiler - GM Korpa 0:1, Bänziger - IM Nagy ½:½). Italien - Slowenien 3:1. Deutschland - Österreich 2:2. Tschechien - Kroatien 1:3. Slowakei - Frankreich 2:2.

8. Runde: Schweiz - Italien (1) 1½:2½ (Bogner - GM Vocaturo 1:0, Studer - GM Godena ½:½, Bänziger - GM Moroni 0:1, Jenni - GM Brunello 0:1). Ungarn - Österreich 3½:½. Frankreich - Deutschland 1:3. Kroatien - Slowakei 3:1. Slowenien - Tschechien 2½:1½.

9. Runde: Tschechien (7) - Schweiz 2½:1½ (GM Hracek - Bogner 1:0, IM Biolek - Studer 1:0, IM Cernousek - Bänziger ½:½, FM Vykouk - Jenni 0:1). Italien - Ungarn 2:2. Deutschland - Kroatien 3½:½. Österreich - Frankreich 2:2. Slowakei - Slowenien ½:3½.

Einzelbilanz der Schweizer: GM Sebastian Bogner 6 Punkte aus 8 Partien, GM Noël Studer 5/9, IM Gabriel Gähwiler 1½/5, FM Fabian Bänziger 5/9 (IM-Norm), GM Florian Jenni 2½/5.

Porträt Fabian Bänziger

Geburtsdatum: 16. Mai 2002.

Wohnort: Pfäffikon/SZ.

Beruf: Schachprofi.

Titel: Internationaler Meister (seit 2018/jüngster IM der Schweizer Schachgeschichte).

Grösste Erfolge: Schweizer U10-Meister 2012, Schweizer U12-Meister 2013, Schweizer U14-Meister 2015, Schweizer U16-Meister 2016 und 2017, Schweizer U20-Meister 2017, 3. Rang Schweizer Meisterschaft 2017 (mit 1. IM-Norm/jüngster Medaillen-Gewinner der Schweizer Schachgeschichte), 2018 2. IM-Norm (österreichische Bundesliga) und 3. IM-Norm (Mitropa-Cup), 11. Rang U14-Europameisterschaft 2016, jüngster FM der Schweizer Schachgeschichte.

Alle Mitropa-Cup-Infos und -Partien zum Nachspielen finden Sie hier: http://www.federscacchi.it/mitropa2018/

http://chess-results.com/tnr357938.aspx?lan=0

https://chess24.com/de/watch/live-tournaments/mitropa-cup-2018

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