Hermann Schmid: 95 Jahre – und kein bisschen schachmüde

von Markus Angst

Hermann Schmid: «Ich verliere zwar Partien, gewinne aber Menschen!»

ma - Er ist das drittälteste Mitglied des Schweizerischen Schachbundes und bei weitem der aktivste Spieler der drei über 95-Jährigen im SSB. Nicht weniger als 38 für die Schweizer Führungsliste gewertete Partien spielte Hermann Schmid, der vorgestern seinen 95. Geburtstag feierte und sich mit einer Prise Selbstironie als «greisenhafter Schachstudent» bezeichnet, in den vergangenen drei Jahren.

Dabei kam der für den Schachclub Bodan spielende Kreuzlinger erst spät zum Schach – sehr spät sogar. Er war bereits 80 (!), als er sich vom Schachvirus anstecken liess. Wo das war, erzählte er seinem Klubkollegen Jürg Morf in einem Interview für das Bulletin der Schweizer Schach Senioren: «2002 kiebitzte ich an den Schweizer Einzelmeisterschaften in Leukerbad, sah dort die beiden Grossmeister Yannick Pelletier und Joseph Gallagher am Brett und war fasziniert von der Atmosphäre. An der Preisverteilung erkannte Vincenz Reichmuth, ein Spieler des SC Bodan, mich, den Pfarrer von Kreuzlingen, und trug mich gleich in die Klubliste ein.»

So begann Hermann Schmids Schachkarriere. Noch im gleichen Jahr spielte er das Zürcher Weihnachts-Open, und bei der SEM 2003 in Silvaplana war er erstmals als Hauptturnier-III-Spieler dabei.

Sie haben übrigens richtig gelesen: Pfarrer. Nachdem er viele Jahre lang am Ordensgymnasium im freiburgischen Matran vor allem Latein unterrichtet hatte, wählte die katholische Kirchgemeinde Kreuzlingen den Theologen und Altphilologen 1986 zum Pfarrer von St. Stefan Emmishofen in Kreuzlingen. Später zog er nach Rom, wo er in der Zentrale der römisch-katholischen Ordensgemeinschaft der Redemptoristen, der er seit seiner Jugendzeit angehört, als Übersetzer wirkte. Von Rom aus reiste er einige Male nach Leukerbad, wo er als Seelsorger in der Rheumaklinik wirkte – und seine neue Leidenschaft, das Schach, entdeckte.

Hermann Schmid, der fünf Sprachen spricht und das Matterhorn erklommen hat, kaufte ein (italienisches) Theoriebuch von Tigran Petrosjan und liess sich durch seinen Vereinskollegen Marcel Wildi sowie den früheren Schweizer Meister IM Edwin Bhend in Eröffnungstheorie und Taktik unterweisen. Mit 90 Jahren übernahm er sogar noch für drei Jahre das Captain-Amt des SMM-Teams Bodan IV.

Sein Motto für das königliche Spiel beschrieb Hermann Schmid in besagtem Interview mit Jürg Morf mal mit einem schelmischen Lächeln: «Ich verliere zwar Partien, gewinne aber Menschen!»

Artikel über Hermann Schmid in den «Weinfelder Nachrichten»: http://www.weinfelder-nachrichten.ch/kreuzlingen/detail/article/aeltester-bodan-schachspieler-feiert-seinen-95-geburtstag-00129798/

Würdigung von Hermann Schmid auf der Homepage des Schachclubs Bodan: http://schachclub-bodan.info/nostalgia/HermannSchmid-95.pdf

 

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