Noël Studer (20) ist jüngster Grossmeister in der Schweizer Schachgeschichte! – dritte GM-Norm und Sprung über die 2500-ELO-Marke dank Top-Resultat beim Grenke-Open in Karlsruhe

von Markus Angst

Noël Studer holte in Karlsruhe seine dritte GM-Norm, knackte gleichzeitig die 2500-ELO-Grenze und wurde damit jüngster Grossmeister in der Schweizer Schachgeschichte.

ma - Der im bernischen Muri wohnhafte 20-jährige Noël Studer wird Grossmeister. Der amtierende Schweizer Meister holte beim Grenke-Open im deutschen Karlsruhe, das 688 Teilnehmer am Start sah und von GM Nikita Witjugow (Rus) gewonnen wurde, mit 6½ Punkten aus neun Runden seine dritte und damit letzte für den GM-Titel nötige Norm.

Die beiden ersten GM-Normen hatte Noël Studer 2014 beim Open im deutschen Deizisau (dem Vorgängerturnier des Grenke-Opens) und 2016 beim Accentus Young Masters in Bad Ragaz geholt. Er ist nach Lucas Brunner, Yannick Pelletier und Florian Jenni erst der vierte gebürtige Schweizer, der den höchsten Schach-Titel holt – und gleichzeitig der jüngste. Bisher hatte Florian Jenni, der 2002 im Alter von 22 Jahren Grossmeister geworden war, diesen Rekord inne. Noël Studer war bereits der jüngste Schweizer Spieler, der je eine GM-Norm erzielt hatte.

Seinen grossen Traum erfüllte der Berner Schachprofi dank eines Glanzresultats in Karlsruhe. Als Nummer 59 der Startrangliste belegte er mit 6½ Punkten aus neun Runden ungeschlagen den ausgezeichneten 26. Platz. Neben vier Siegen gegen deutlich schwächere Gegner remisierte er gleich gegen fünf ELO-stärkere Grossmeister: die beiden Kroaten Marin Bosiocic und Ivan Saric, den Amerikaner Gata Kamsky, den Ungar Tamas Banusz und den Serben Aleksandar Indjic. Damit übersprang Noël Studer, der mit 2486 ELO an den Start gegangen war, die 2500er-Grenze und erfüllte damit gleichzeitig die letzte Bedingung für den Grossmeister-Titel.

In der Schlussrunde brauchte Noël Studer gegen GM Aleksandar Indjic unbedingt noch ein Remis, um sein langersehntes Ziel zu erreichen. Zwar stand er auf Gewinn. «Doch angesichts der knappen Zeitreserven und zur Schonung meiner Nerven entschied ich mich für ein Dauerschach, um das Remis sicher nach Hause zu bringen», kommentierte der neue Grossmeister die dramatische Endphase der Partie. Schon gegen GM Marin Bosiocic («war klar gewonnen») und GM Gata Kamsky («da stand ich deutlich besser») schrammte Studer nur knapp am Sieg vorbei.

Obwohl die Punkteausbeute gar noch höher hätte ausfallen können, war er natürlich trotzdem überglücklich: «Geplant war das natürlich nicht. Aber ich wusste, dass ich mit einer GM-Norm auch gleich die nötigen ELO-Punkte würde holen können. Ich habe in Karlsruhe von Anfang an gut gespielt – auf einem besseren Level als beim Accentus Young Masters im März in Bad Ragaz, wo ich eine GM-Norm ja nur knapp verpasst habe.»

Noël Studer im Porträt

Geburtsdatum: 18. Oktober 1996.

Wohnort: Muri/BE.

Beruf: Schachprofi.

Titel: Grossmeister (seit 2017).

Grösste Erfolge: Schweizer Meister 2016, Schweizer Mannschaftsmeister 2016 (mit Zürich), Schweizer Meister U16 und U20 2012 sowie U18 2014, 2014 drei IM-Normen innerhalb von fünf Monaten in Deizisau, Biel und Durban, 2014 1. GM-Norm beim Open in Deizisau als bis heute jüngster Schweizer Spieler, 2016 2. GM-Norm beim Accentus Young Masters in Bad Ragaz, 2017 3. GM-Norm beim Grenke-Open in Karlsruhe, 2014 5. Rang U18-Weltmeisterschaft, 2013 Silbermedaille U18-Mannschafts-Europameisterschaft.

Hier finden Sie die Resultate des Grenke-Opens in Karlsruhe: http://www.grenkechessopen.de/de/a-open

Hier finden Sie das Januar-Monats-Interview mit Noël Studer: http://www.swisschess.ch/news-112/monatsinterview-mit-im-noel-studer-wenn-nicht-jetzt-wann-dann.html

Lesen Sie mehr über Noël Studer auf dessen Homepage: http://www.noelstuder.ch

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