«Wie wecken wir bei den auf eine Million geschätzten Schweizer Schachinteressierten die Neugierde auf mehr, damit sie den Schritt in einen Schachklub wagen?»

von Felix Hindermann

Peter A. Wyss: «Der Schneeballeffekt kann auch im Damenschach funktionieren.»

fh - Monatsinterview mit Peter A. Wyss, Bankier im Vorruhestand, der nach seiner Zeit als Zentralpräsident des Schweizerischen Schachbundes (SSB) gerne eine Weltreise mit dem Schiff unternehmen möchte.

Welche Schachfigur spiegelt ihren Charakter am besten wider und weshalb?

Eindeutig der Springer. Er spiegelt das Leben: Der Weg führt selten nur geradeaus. Hindernisse können übersprungen, umgangen oder beseitigt werden – «reculer pour mieux sauter» und voller Überraschungen.

Welche Person(en) hat (haben) Sie am meisten geprägt? In schachlicher Hinsicht?

Mein Vater weckte in mir die Freude für das Schach. Karl Wilhelm, Präsident der Schachgesellschaft Baden, motivierte mich, seinem Klub beizutreten. Bobby Fischer war damals das Schachidol für uns junge Spieler.

Welche Rolle spielt Schach in Ihrem Leben?

Schach ist spannend und bereichernd: «lifelong learning» als Spieler, täglich neue Herausforderungen als SSB-Zentralpräsident, in einem Einzel- oder Teamwettkampf die beste Leistung abzurufen, das gemeinsame Analysieren (mit meinem Sohn Jonas), der Genuss beim Nachspielen berühmter Partien und der Kontakt mit Menschen, die meine Freude für das Schach teilen.

Wie erklären Sie einem Laien die Faszination des Schachspiels?

Schach ist Sport, in seinem Geist ein Spiel (ohne Karten- oder Würfelglück!), in seiner Form eine Kunst und in seiner Ausführung eine Wissenschaft. Wage den ersten Schritt und lass dich überraschen!

Der Schweizerische Schachbund leidet seit Jahren an einem Mitgliederschwund – mit welchen Massnahmen wollen Sie diesen Trend stoppen?

Die Mitgliederzahlen des SSB summieren die Entwicklung in all unseren Sektionen. Doch nicht alle Klubs haben rückläufige Mitgliederzahlen! Was machen diese offenbar besser? Damit stellen sich unserem Verband grundsätzlich zwei Herausforderungen: Wie wecken wir bei den auf eine Million geschätzten Schweizer Schachinteressierten die Neugierde auf mehr, damit sie den Schritt in einen Schachklub wagen? Wie unterstützen wir unsere Sektionen, ihre Mitgliederzahlen zu erhöhen? Im Zentralvorstand diskutieren wir derzeit Lösungsansätze und erste Massnahmen. Dabei stehen zwei Stossrichtungen im Vordergrund: Das Thema Schach in den verschiedenen Medien insbesondere auch in den Social Media zu positionieren und den Sektionen Hilfe zur Selbsthilfe mit einfachen Tools, Checklisten und Beispielen für «Best Practice» anzubieten.

Warum gibt es so wenig schachspielende Frauen?

Dieses weltweite Phänomen ist nur schwer erklärbar. Das Image «Männersport» und die Nähe zur Mathematik sind mögliche Erklärungen. Zukunftsorientiert erscheint mir das klare Bekenntnis zum Damenschach auf allen Stufen wichtig. Ich bin überzeugt, dass der «Schneeball-Effekt» auch im Damenschach funktionieren kann. Ich erinnere mich genau an die Szene, als eine schachinteressierte Dame beim Anblick der reinen Männergruppe sofort das Weite suchte.

Was und wann haben Sie zuletzt neu erlernt?

Im Herbst 2016 besuchte ich im Management Center Vorarlberg den mehrtägigen Kurs «Resiliente Organisationen sind wandlungsfähig, kreativ und innovativ».

Für was können Sie sich begeistern?

Neben Schach sind das Jogging und die Kultur. Ich bin im Stiftungsrat der Stadtbibliothek Chur und besuche regelmässig Theatervorstellungen, Galerien, Museen und Kinos. Meine «Insel» ist das Maiensäss im Surses, wo ich nach fünf Minuten im Relax-Modus bin.

Was stört Sie in der Schweiz? Was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?

Die mangelnde Beteiligung an Abstimmungen und Wahlen. Ich würde die Teilnahme obligatorisch erklären. Stimmen und Wählen heisst dabei sein!

Welche Länder/Orte haben Sie bereist, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und warum?

Am meisten beeindruckt hat mich die Mongolei, die 38 Mal grösser als die Schweiz ist und in der nur drei Millionen Menschen leben. Die Sicherstellung der Wasserversorgung und der Ausbau der Verkehrswege bilden die grossen Herausforderungen und stehen im krassen Gegensatz zur Situation in der Schweiz.

Welchen Traum würden Sie sich gerne noch erfüllen?

Eine mehrmonatige Weltreise mit dem Schiff nach meiner Zeit als SSB-Zentralpräsident.

Abschliessende Frage: Was ist Ihr Zwischenfazit zur neu geschaffenen Fachstelle für Ausbildung und Nachwuchsförderung? Was konnte damit bereits bewirkt werden?

Die durchgeführten und geplanten Ausbildungsmodule erfreuen sich einer grossen Nachfrage und wurden durchwegs sehr positiv beurteilt. Trotz des guten Starts ist der Weg zur Aufnahme von Schach im Programm Jugend+Sport noch weit. Roberto Schenker hat eine gute Basis gelegt, und wir hoffen nun auf optimale Nachfolgelösung.

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