Interview des Monats mit Alain Chollet (Prilly Crazy-Horse): 50 Jahre Klubpräsident – ein Schweizer Rekord?

von Markus Angst

Alain Chollet: «Das Pferd ist mein Lieblingstier.»

ma - Restaurant «De la Treille» in Prilly, an einem Freitagabend im Mai. Eine gute Gelegenheit, den langjährigen Präsidenten von Crazy-Horse kennenzulernen und vor der Veröffentlichung dieses Interviews zu überprüfen, ob seine 50 Jahre ohne Unterbrechung an der Spitze «seines» Schachklubs in der Schweiz einzigartig sind. «Man hat mir gesagt, dass es ein Rekord sei», meint er, ohne sich ganz sicher zu sein.

Wie sind Sie zum Schach gekommen?

Alain Chollet: Ich fing in Wimmis im Berner Simmental an, wo ich als Jugendlicher auf einem Bauernhof arbeiten ging. Eines Abends schlug mir der Bauer vor, eine Partie zu spielen. Danach spielten wir jeden Abend, und er zeigte mir ein paar Tricks. Er gewann jedes Mal – ausser am letzten Abend. Bis heute weiss ich nicht, ob er absichtlich verloren hat. Zurück in Prilly spielte ich weiter – gegen Freunde aus dem Viertel Vieux-Collège, wo wir immer noch ansässig sind, und ich gewann alle Partien.

Traten Sie dann einem Verein bei?

Ja, ich gründete ihn sogar! Das war am 2. Februar 1976. Aber wir waren noch nicht Mitglied des damaligen Schweizerischen Schachverbandes. Ich lud nach einem Turnier in der Schule von Prilly die motivierten Jugendlichen ein, dem Verein beizutreten, dessen einziges Mitglied ich damals war! Ich teilte sie in die Gruppen A, B und C ein und organisierte ab 1977 Turniere. 1979 gründeten wir uns als Verein mit Statuten.

Woher kommt der Name Crazy-Horse?

Zunächst einmal ist das Pferd mein Lieblingstier. Ausserdem sah ich mir bei den Weltmeisterschaft-Partien zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky 1972 vor allem die Züge der Springer an. Es scheint übrigens, dass ich eine ziemlich wilde Art habe, mit den Springern zu spielen. Daher der Name Crazy-Horse seit unserer Gründung. Der Verein nahm lange Zeit an der Coupe du Léman teil, bevor wir uns 1987 bei der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft anmeldeten. Wir blieben zwölf Saisons lang in der 4. Liga, bevor wir nach unserem fünften Aufstiegsspiel in die 3. Liga aufstiegen. Unsere zweite Mannschaft bewegte sich stets zwischen der 3. und 4. Liga. Seit 2008 spielen wir auch in der Schweizerischen Gruppenmeisterschaft mit.

Wie entwickelte sich die Mitgliederzahl?

Wir fingen mit 14 Mitgliedern an: sechs in der Gruppe A, fünf in der Gruppe B und drei in der Gruppe C. 1978 waren es dann bereits 31. Der Höchststand lag in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren bei etwa 40. Derzeit zählen wir 25 Mitglieder – darunter fünf Junioren, die im vergangenen September zu uns gestossen sind.

Wie gelingt es Ihnen, junge Leute zu gewinnen?

Seit 25 Jahren leite ich einen Schachkurs im Rahmen des «Passeport-Vacances» in Prilly. Ich halte Ausschau nach den begabtesten und motiviertesten Teilnehmenden und schlage ihnen vor, sich uns anzuschliessen.

Welche Aufgaben haben Sie im Verein?

Ich bin seit den Anfängen Präsident – aber auch Mannschaftscaptain und seit 1980 nationaler Schiedsrichter. Früher hatte ich noch mehr Aufgaben. Einmal füllte ich das Formular des Schweizerischen Schachbundes über unsere Mitglieder aus und trug meinen Namen in jede der einzelnen Funktionen ein. Der SSB kontaktierte mich, um mir mitzuteilen, dass ich wahrscheinlich nicht verstanden hatte, was gefragt war. In Wirklichkeit waren sie es, die nicht verstanden, wie unser Verein funktioniert...

Der Kanton Waadt erlebt derzeit eine goldene Ära im Schach: Echallens und Nyon spielen in der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft der Nationalliga A, Nyon II, Vevey und La Garde du Roi in der Nationalliga B, Echallens II, Payerne und Grand Echiquier in der 1. Liga.

Ja, das stimmt, aber das ist nichts Neues. Seit über 20 Jahren werden Initiativen zur Förderung des Nachwuchses ergriffen. René Kesselring spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Echallens und arbeitete später in Payerne mit. Er war es, der die Young-Masters-Turniere in Lausanne ins Leben rief und rund zehn Jahre lang die Waadtländer Einzelmeisterschaft in den Räumlichkeiten der UBS, wo er arbeitete, organisierte. An diesem Wettbewerb hatte es manchmal fast 40 Teilnehmende. Auch andere trugen viel zu diesem Aufschwung des Schachs in der Waadt bei: Fabrice Pinol und Patrick Guyer in Echallens sowie Jean-Paul Rohrbach in Payerne.

Schach erfreut sich seit einigen Jahren besonderer Beliebtheit. Spüren Sie die Auswirkungen auch in Ihren Verein?

Ja, aber im Vergleich zu den Spitzenklubs sind wir eher eine alternde Truppe. Doch unsere Mannschaften zeichnen sich durch grosse Stabilität aus. Unser erstes Team spielt in der SMM seit 2006 in der 2. Liga – mit drei Abstiegen, auf die jeweils postwendend der Wiederaufstieg folgte.

Und auf klubinterner Ebene?

Es ist ziemlich lebhaft und manchmal sehr unterhaltsam. Einmal schrieb ein Spieler eine Herausforderung für einen internen Pokal mit Zweierteams aus. Die Paare wurden gebildet aus dem besten Spieler mit dem höchsten und dem niedrigsten Rating, der Nummer 2 mit dem Vorletzten und so weiter. Und die Mannschaft mit den meisten ELO-Punkten musste gewinnen, um in die nächste Runde zu kommen – ein Unentschieden bedeutete das Ausscheiden. Diesen Wettbewerb gibt es nicht mehr, aber er hatte sieben Jahre lang Bestand. Unsere Klubmeisterschaft hingegen gibt es seit den Anfängen, und sie wurde sogar 23 Jahre lang für die Führungsliste gewertet.

Euer Klub wird heuer 50 Jahre alt. Wie feierte ihr das Jubiläum?

Es findet vom 30. Oktober bis zum 1. November statt – in Begleitung des französischen IM Fabrice Moracchini. Er ist ein grossartiger Schachlehrer, bei dem ich drei einwöchige Lehrgänge in Frankreich absolviert habe – in einem Schloss mit einem schönen Weinkeller. Er wird uns einen Kurs über unsere Lieblingsfigur geben: den Springer, einen über die russische Schule und einen über die Bauernstruktur. Wir haben uns für dieses Format entschieden, um unsere Mitglieder weiterzubringen. Ausserdem wird es am Samstagabend ein Turnier und einen Besuch im Olympischen Museum geben. Und natürlich ein paar feine Essen!

Interview: Bernard Bovigny/Übersetzung: Markus Angst

Alain Chollet persönlich

Wohnort: Belmont sur Lausanne.

Alter: 65 Jahre.

Beruf: Rentner. Zuvor: Verwaltungsangestellter am Universitätsspital Waadt.

Klubs: Prilly Crazy-Horse, Lausanne Grand-Roque, Grand Echiquier Lausanne, Renens, La Vallée, La Joyeuse Équipe, La Diagonale du Fou.

ELO: 1841.

Hobbys: Schach, Lesen, die Gruppe «Les Copains d’abord» für gemeinsame Essen mit Freunden.

Lieblingsschachspieler: Bobby Fischer («er prägte meine Jugend»), aber auch Anatoli Karpow («ein sehr umgänglicher Mann») und Judith Polgar («ich liebe sie!»), gegen die er bei Simultanturnieren gespielt hat.

Ein Schachbuch: «Les échecs» von Camil Seneca («Mein erstes Buch, es hat mich geprägt»).

Website: chess.com («ich spiele dort viel zu viel!»).

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