Interview des Monats mit Bundesturnier-Organisator Claudio Boschetti: GM Sebastian Bogner gegen GM Li Min Peng als Highlight in Basel
von Markus Angst
ma - Das Bundesturnier in Basel wird vom 14. bis 17. Mai durchgeführt. Zum zweiten Mal wird der Tessiner Claudio Boschetti die Hauptverantwortung für die Organisation haben. Was hat er vor? Was wird verbessert?
Sie haben im vergangenen Jahr mit Ihrer Swisschesstour-Organisation in Pfäffikon/SZ erstmals das Bundesturnier organisiert. Wie fällt die Bilanz Ihrer Premiere aus?
Ich war sehr zufrieden mit der Premiere in Pfäffikon. 377 Teilnehmende – mit vielen Titelträger(inne)n und Kaderspieler(inne)n.
Sehen Sie für Basel Verbesserungspotenzial?
Basel liegt ideal für diesen Anlass. Nicht nur Spieler(innen), die in der Schweiz leben, werden daran teilnehmen. Spitzenspieler(innen) aus Frankreich und Deutschland, die für eine Schweizer Mannschaft spielen, werden unser Bundesturnier bereichern. Dazu bietet Basel auch sehr viel für Begleitpersonen.
Sie organisieren im Hotel «Mövenpick» seit 2022 auch das Basel Christmas Festival. Was macht den Reiz des «Mövenpicks» für die Schachspieler(innen) aus?
Eine moderne Location, nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt, ist natürlich eine ideale Lösung für Pendler(innen) und Spieler(innen) aus der Region. Das «Mövenpick» offeriert Zimmer mit Skyline-Blick auf die ganze Stadt – nebst einem tollen Halbpension-Angebot.
Organisieren Sie in Basel auch Bundesturnier-Rahmenveranstaltungen?
Wir werden auch dieses Jahr wieder ein starkes Blitzturnier, offen für alle, anbieten. Mit Spezialpreisen für die Spieler(innen), die gegen einen Gastspieler gewinnen.
Letztes Jahr hatten Sie in Pfäffikon/SZ 370 Teilnehmende. Wie viele erwarten Sie in Basel?
Wir hoffen, die 400er-Grenze überschreiten zu könnten.
Was zeichnet aus Ihrer Sicht das Bundesturnier 2026 im Speziellen aus?
Der Schweizer Meister 2025 GM Sebastian Bogner und der Bundesmeister 2025 GM Li Min Peng sind beide mit dabei. Die Direktbegegnung könnte also den Bundesmeister 2026 krönen.
Auf Ihrer Website steht «Achtung! Es können nur Mitglieder vom SSB teilnehmen. Schweizer ohne SSB-Spieler-Lizenz bezahlen CHF 20.- mehr. Ausländer und Ausländerinnen, die nicht Mitglied vom SSB sind, können nicht teilnehmen.» Können Sie uns dies erläutern?
Auch wenn es um nationale Titel geht, können SSB-Nicht-Mitglieder für einen moderaten Zuschlag von 20 Franken am Turnier teilnehmen. Dieser Betrag kompensiert den Mehraufwand und die fehlenden Einnahmen von Kaderspieler(inne)n, die einsatzfrei sind.
Haben Sie für die folgenden Jahre weitere Bundesturnier-Bewerbungen im Auge?
Nächstes Jahr werden wir wieder das Bundesturnier organisieren – in Pfäffikon/SZ. 2028 ist wieder Olten an der Reihe, und danach werden wir erneut kandidieren.
Sie organisieren pro Jahr über 30 Turniere – vorwiegend an Wochenenden. Was treibt Sie an?
Die grosse Leidenschaft für das königliche Spiel. Ich gehöre zu den Menschen, die im Alter aktiv bleiben müssen. Ich bin seit vier Jahren Rentner und möchte immer wieder neue Herausforderungen und neue interessante Menschen kennenlernen.
Wie gehen Sie grob vor, um solche Projekte zum Erfolg zu führen?
Ich suche mir im Internet gute Locations, die für Schachanlässe in Betracht kommen könnten. Danach benütze ich meine Marketing-Kenntnisse, um das Projekt zu realisieren.
Worauf achten Sie im Speziellen beim Organisieren von Grossanlässen?
Die Spieler(innen) müssen sich wohlfühlen, viel Platz rund ums Brett haben und sich wie Weltmeister fühlen. Wichtig ist auch die Ortschaft – die Familienangehörigen sollen «Ferienstimmung» geniessen können.
Wer hat Ihnen das Projektmanagement-Handwerk beigebracht? Oder anders gefragt: Wie gelangten Sie zu diesem spezifischen Wissen?
Ich war ab 30 immer selbständig und habe sehr viel Erfahrung gesammelt und mehrere Projekte realisiert. Ich spreche mit vielen Menschen und höre zu.
Die Digitalisierung ist mittlerweile unablässig bei der Event-Organisation. Haben Sie einen Tipp im Bereich der Software?
Eigentlich nicht. Ich vertraue auf die aktuellen Standards der Schachbranche.
Sie sind mit 2120 ELO persönlich auch ein erfolgreicher Schachspieler. Inwiefern hilft Ihnen das Schachwissen bei der Organisation von Events?
Ja, ich stell mir vor, was Spieler mögen und suchen. Danach plane ich unsere Schachanlässe.
Und worauf sollen die Schachspieler(innen) in der Vorbereitungsphase im Speziellen achten?
Für Hobbyspieler empfehle ich, dynamische Nebenvarianten zu spielen. Die Zeitkontrolle ist sehr wichtig. Der Spieler muss versuchen, die Stellungen gut einzuschätzen und sich genügend Zeit nehmen, wenn er ein gutes Gefühl hat.
Zum Schluss können Sie noch die Werbetrommel rühren. Warum lohnt es sich, am Bundesturnier 2026 teilzunehmen?
Es ist ein Fest für alle Generationen. Eine Gelegenheit, um neue und alte Freunde zu treffen und auf dem Brett zu begegnen. Basel ist eine Reise wert!
Interview: Graziano Orsi
Claudio Boschetti persönlich
Wohnort: Melano.
Alter: 68.
Beruf: Pensionär und Turnierorganisator.
Hobbys: mit meiner Frau Ewa Urlaube zu machen, Eno-Gastronomie und natürlich Schach spielen und Turniere organisieren.
ELO: 2120.
Klub: Swisschess Academy Lugano.
Lieblingsschachspieler: Anatoli Karpow.
Schach-Buchtipp: Ich liebe alle Bücher mit Taktik und Kombinationen.
Web-Tipp: