Interview des Monats mit SC-Seebach-Präsident Felix Busch: «Wir probierten viel aus»

von Markus Angst

Felix Busch: «Die Stadt Zürich hat mit 'Atleta' ein sehr schönes Programm geschaffen, um Mädchensport in allen möglichen Disziplinen zu fördern.»

ma - Die 17-jährige WIM Mariia Manko und der Schachclub Zürich Seebach gewannen dieses Jahr den Förderpreis der Schweizer Jugendschachstiftung. Felix Busch, Präsident des SC Seebach, erklärt, wohin das Geld fliessen wird.

Der Schachclub Zürich Seebach scheint zurzeit auf einer Erfolgswelle des zu reiten. In der Schweizerischen Gruppenmeisterschaft (SGM) stiegen Sie in die 1. Regionalliga auf.

Ja, der Aufstieg gelang uns im vergangenen April, und das war für uns natürlich ein echtes Highlight. Wir werden aber bescheiden bleiben – schliesslich mischen wir noch nicht ganz vorne mit.

Bei den Jungen läuft es auch rund. Die Jugendschachstiftung verlieh dem Schachclub Seebach kürzlich den Förderpreis. Was wurde insbesondere gelobt?

Die Auszeichnung bekamen wir für unser Engagement im Jugendschach – sowohl im Verein als auch über die Vereinsgrenzen hinaus. Wir probierten hier über die vergangenen Jahre viel aus. So entwickelte sich zum Beispiel unser U18-Open super, unsere Junioren werden langsam «gefährlich» stark, und wir entwickelten Konzepte für Mädchen- und Leistungsschach.

Wie hoch ist der Förderpreis?

Der gesamte Preis beläuft sich auf 3000 Franken, wir haben die Hälfte davon bekommen.

Wohin wird dieses Geld fliessen?

Natürlich in die Jugend!

Welche Bedeutung hat für den SC Seebach der Förderpreis der Jugendschachstiftung?

Für uns als Verein ist das insgesamt erstmal eine sehr schöne Anerkennung dafür, was bei uns über die letzten Jahre gewachsen ist. Uns gibt es noch nicht ganz so lange. Aber – vielleicht noch wichtiger – ist es eine Auszeichnung für die Menschen, die bei uns im Jugendbereich so toll anpacken: eine Auszeichnung für die Arbeit von meinem Vorgänger, Andreas Poncini, dessen grösste Freude im Leben der Erfolg unserer Talente war, und natürlich an unseren Jugendschachleiter Richi Bohnenberger, der die Arbeit mit unseren Talenten die letzten Jahre wirklich «gewuppt» hat.

Wie sieht denn die Nachwuchsarbeit in Ihrem Verein konkret aus?

Wir bieten verschiedene Trainings und offene Spielmöglichkeiten an. Dann gibt es natürlich den Ligabetrieb, in den wir die Jugend früh einbinden und Events wie unsere Turniere, die wir jedes Jahr organisieren. Es ist eigentlich zu viel, um alles in einer Antwort unterzubringen.

Wie entwickelte sich die Anzahl Mitglieder in den Bereichen Erwachsene und Jugendliche in den vergangenen Jahren?

Aufwärts! Ich glaube, dass wir ein gesundes Mitgliederwachstum haben – sowohl in der Jugend als auch bei der Erwachsenen. Seit Anfang 2024 haben wir etwa 20 Mitglieder in den jeweiligen Bereichen hinzubekommen.

Worauf führen Sie diese positive Entwicklung hauptsächlich zurück?

Wir sind ein Verein für alle und haben eine tolle Willkommenskultur. Das macht schon mal viel aus. Zudem gibt es ein günstiges Umfeld für uns im Norden Zürichs, wo die Infrastruktur fantastisch ist und viele Zuzügler und Zuzüglerinnen jedes Jahr neu in die Umgebung kommen. Die Stadt Zürich hat ein Lob verdient. Wir hören auch immer wieder von Schnupperern, dass unsere Webpräsenz ansprechend war. Hier versuchen wir natürlich immer, uns von der besten Seite zu zeigen.

Der SC Seebach zeigt insbesondere ein grosses Engagement im Bereich Mädchenschach. Können Sie dies noch erläutern?

Erstmal finde ich es grossartig, dass Mädchenschachförderung langsam immer mehr ein Thema wird und dass auch der Schweizerische Schachbund hier die Initiative ergriffen hat. Wir haben uns hier von anderen Vereinen – so beispielsweise von den Chessmates Zugerland – inspirieren lassen. Dort wird schon seit Jahren eine super Arbeit mit Mädchen gemacht, und wir haben uns gedacht: Warum eigentlich nicht auch in Seebach?

Auf Ihrer Website steht, dass seit diesem Jahr sogar eine Gruppe von Mädchen, die Seebach Chess Girls, gezielter trainiert werden. Was heisst dies konkret?

Wir haben eine Mädchenschachgruppe ins Leben gerufen, auch wenn diese noch in den Kinderschuhen steckt. Die Idee ist, Mädchen in einer kleinen Gruppe gezielt zu trainieren und ihnen die nötigen Tricks und Kniffe zu zeigen, damit sie in mit Jungs gemischten Settings noch selbstbewusster auftreten können.

Können Sie diese gezielte Separationsidee noch präzisieren?

Die Separierung ist ein Versuch – wir scheuen uns nicht, mal etwas auszuprobieren – und das hat spannende Aspekte. Die Idee ist, dass in gemischten Gruppen gerade zu Beginn, also bei den ersten schachlichen Schritten, Jungs oft forscher auftreten. Dies kann Mädchen verunsichern und ihnen den Spass am Spiel nehmen. Die Separierung ist aber nur als Übergangsphase gedacht. Das Leben ist nun mal gemischt.

Stimmt es, dass dieses spezielle Förderprogramm der Mädchen von einer externen Schachschule – Chess Kings – geleitet wird?

Dies ist zwar noch nicht umgesetzt, aber wir planen ab kommendem Semester, mit den Chess Kings durchzustarten. Wir sehen die Zusammenarbeit mit der Schachschule als Chance, unsere Ideen mit einem super Partner zu realisieren.

Sie haben sogar eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt Zürich bekommen, da der SC Seebach den Mädchensport stärkt.

Die Stadt Zürich hat mit «Atleta» ein sehr schönes Programm geschaffen, um Mädchensport in allen möglichen Disziplinen zu fördern. In diesem Rahmen wurden wir Projektpartner, was natürlich Rückenwind gibt.

Im Mai 2024 erschien auf der SSB-Website im Rahmen der Serie 50 Jahre Jugendschachstiftung Schweiz ein Porträt des SC Seebach. Eine Kernaussage lautete: «52 von total 109 Seebach-Mitgliedern befinden sich im Juniorenalter.» Wie sieht das heute aus?

Der Anteil Jugendliche/Erwachsene ist etwa identisch. Allerdings sind wir ein paar Mitglieder mehr in der Zwischenzeit, etwa über 60 in beiden Kategorien.

Bezahlen die Seebach-Junioren und -Juniorinnen immer noch keinen Beitrag?

Korrekt! Wir übernehmen sogar die SSB-Kosten, falls Interesse an Mannschaftswettbewerben und Turnieren besteht. Für uns ist das ein Schlüssel, um die Hürde in den Schachsport so niedrig wie möglich zu halten.

Gönner und die Klubkasse werden somit zur Kasse gebeten. Geht diese Strategie auf?

Bisher geht das auf. Als Verein wirtschaftet man aber natürlich immer knapp, das wissen alle, die das hier lesen. Das heisst, dass auch wir immer wieder prüfen müssen, ob unser Budget in der Hinsicht aufgeht.

Im Nachwuchs gibt es anscheinend auch Zugpferde, die beispielsweise Finalturniere der Schweizer Einzelmeisterschaft spielen. Wie werden diese Jugendliche gefördert?

Wir haben zum Beispiel ein Seebacher Meisterkader, in dem seit einem Jahr ein Internationaler Meister die besten Spieler trainiert. Dies war auch etwas, bei dem wir uns von anderen Vereinen wie dem ASK Réti oder dem Schachclub Chur haben inspirieren liessen.

Der SC Seebach wurde 2017 gegründet. Er ist der jüngste Zürcher Schachclub und sorgt für Furore. Mit welchen Zukunftsideen und -plänen setzt sich der Vorstand zurzeit auseinander?

Konkret möchte ich nichts vorwegnehmen. Klar ist aber, dass wir innovativ bleiben wollen. Es gibt so viele tolle Menschen in der Schach-Community, dass das Potenzial noch lange nicht ausgereizt ist.

Ein Einschnitt in Ihrem Klubleben war der allzu frühe Tod von Vereinsgründer Andreas Poncini. Wie reagierte die Vereinsspitze darauf?

Als ich vor etwas über drei Jahren in den Verein kam, freundete ich mich schnell mit Andreas Poncini an. Für den Verein war er in jeder Hinsicht ein nimmermüder Gestalter und Förderer. Ohne ihn wäre das für mich kaum denkbar. Und so jemanden kann man nicht ersetzen – weder menschlich noch in Hinblick auf seine Leistung. Wie man also auf so ein tragisches Schicksal reagiert? Überlegen, was Andreas Poncini gemacht hätte und genau das tun, nämlich immer nach vorne schauen.

Mit welchen konkreten Klubproblemen müssen Sie sich als Vereinspräsidenten zurzeit beschäftigen?

Bei den Problemchen geht es eigentlich fast immer ums Personelle: Vereine funktionieren nur, wenn es Menschen gibt, die sich einmischen und -bringen. Und von diesen Menschen kann es, gefühlt, nie genug geben!

Interview: Graziano Orsi

Felix Busch persönlich

Wohnort: Zürich-Oerlikon.

Alter: 37.

Beruf: Leiter Data & Analytics.

Hobbys: Schach.

ELO (Schweiz): 1918.

Klub: Zürich Seebach.

Lieblingsschachspieler(in): Ich habe keine Idole.

Schach-Buchtipp: «Die Schachnovelle» von Stefan Zweig. Denn für Lernmaterial bediene ich mich an digitalen Quellen.

Web-Tipps

Schachclub Zürich Seebach

Atleta – mehr Mädchen im Sport. Stadt Zürich

Nachruf Andreas Poncini

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