SG Zürich zum 25. Mal Meister – Winterthur punktgleich auf Platz 2 – Bronze für Riehen – Echallens und Solothurn steigen ab – dritte IM-Normen für FM Marco Gähler und FM Luca Kessler

von Markus Angst

Die Zürcher Meistermannschaft (von links): IM Werner Hug, FM Jonathan Rosenthal, GM Alexandra Kosteniuk, IM Noël Studer, Captain Christian Issler, GM Yannick Pelletier, GM Lucas Brunner, GM Lothar Vogt, GM Christian Bauer.

ma - Die SG Zürich wurde an der Nationalliga-A-Schlussrunde der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft (SMM) in Carouge zum 25. Mal Meister. Nach dem 5:3-Sieg gegen Luzern in der 8. Runde genügte dem Rekordchampion in der Schlussrunde ein 4:4-Unentschieden gegen Genf zur Sicherung des Titels. Silber ging an das punktgleiche Winterthur, das die Sensation nur wegen der geringeren Anzahl Einzelpunkte verpasste. Bronze holte Riehen.

Drei Monate nach seinem Sieg an den Schweizer Einzelmeisterschaften machte Noël Studer sein Team auch zum Mannschaftsmeister. Neun Tage vor seinem 20. Geburtstag remisierte der Internationale Meister beim Stand von 3½:3½ nach 70 Zügen gegen Genfs GM Gilles Mirallès und sicherte Zürich damit das zum Titelgewinn nötige Unentschieden. Es ist dies der erste Titel für die Zürcher, die im Vorjahr Zweiter geworden waren und die für die Doppelschlussrunde eigens die frühere Weltmeisterin GM Alexandra Kosteniuk hatten einfliegen lassen, seit sechs Jahren.

22 Stunden nach dem 5:3-Sieg gegen das ohne seinen Topspieler GM Robert Hübner angetretene Luzern reichte Zürich ein Unentschieden gegen Titelverteidiger Genf, weil das einen Punkt zurückliegende Winterthur gegen Bodan Kreuzlingen den für den Meisterpokal nötigen 7:1-Sieg nicht realisieren konnte. Die wie Zürich in dieser Saison ungeschlagen und in der Doppelschlussrunde ebenso wie Riehen zweimal siegreich gebliebenen Winterthurer gewannen nur knapp mit 4½:3½ und realisierten mit Rang 2 das beste Resultat seit 1981, als sie letztmals Meister wurden. Auf den 3. Platz kam Riehen, das den Match um Bronze gegen Luzern klar mit 5½:2½ gewann.

Bereits vor dem letzten Durchgang entschieden war der Abstiegskampf. Echallens (nach zwei Jahren) und Solothurn (auf direktem Weg) steigen in die Nationalliga B ab. Beide verloren in der 8. Runde ihre entscheidenden Duelle gegen mitgefährdete Teams. Solothurn mit 3:5 gegen Aufsteiger Bodan Kreuzlingen (das sich im dritten Anlauf erstmals in der Nationalliga A halten konnte). Echallens nach einem dramatischen Match, in dem jeder Ausgang möglich war, ebenfalls mit 3:5 gegen Réti Zürich. 2015 waren die Waadtländer, die in der Schlussrunde wenigstens noch gegen Wollishofen gewannen (4½:3½), die NLA-Überraschungsmannschaft, als sie aus den drei ersten Runden das Punktemaximum holten.

Mit Mendrisio (vorzeitiger Sieger der Ostgruppe) steht ein Aufsteiger aus der Nationalliga B bereits fest. Wer die Tessiner begleiten wird, entscheidet sich am übernächsten Wochenende. Mit Neuenburg (11 Punkte nach 7 Runden), Schwarz-Weiss Bern II (10), Trubschachen (10), Nyon (9) und Bern (9) können sich in der NLB-Westgruppe noch fünf Teams Chancen ausrechnen.

Der für Wollishofen spielende FM Luca Kessler holte mit 5½ Punkten aus neun Partien seine dritte IM-Norm nach je einer beim Open Liechtenstein 2013 und 2014. Damit bekommt er definitiv den Titel eines Internationalen Meisters zugesprochen, da er die 2400-ELO-Marke bereits übersprungen hat. Der 19-jährige Österreicher schrammte nur knapp an einer Grossmeister-Norm vorbei. Hätte er in der Schlussrunde den 88 ELO weniger aufweisenden FM Gabriele Botta geschlagen, hätte es ihm zu seiner ersten GM-Norm gereicht.

Mit FM Marco Gähler, der ebenfalls 5½ aus 9 totalisierte, holte ein zweiter Wollishofer Spieler seine dritte IM-Norm. Die erste hatte der 27-jährige Zürcher an der Studenten-Weltmeisterschaft 2010 in Zürich, die zweite in der SMM 2013 geschafft. Um den Titel eines Internationalen Meisters zu bekommen, muss er im Ranking des Weltschachbundes FIDE noch die 2400-ELO-Grenze knacken. In der aktuellen Liste steht er bei 2360.

Fast hätte es auch FM Jonathan Rosenthal zu seiner zweiten IM-Norm gereicht. Der 24-jährige SG-Zürich-Spieler stand nach acht Runden mit 3 aus 5 aus der Nationalliga B und 3 aus 3 (!) in der Nationalliga A zu Buche. Weil die SMM als ein Turnier gilt und Kombi-Normen NLA/NLB möglich sind, benötigte er in der letzten Runde gegen IM Hung Fioramonti lediglich noch ein Unentschieden. Doch Jonathan Rosenthal verlor die Partie nach einem groben Fehler.

Erfolgreichster Punktesammler war Christian Bauer. Der für die SG Zürich spielende 39-jährige französische Grossmeister totalisierte 8 Punkte aus neun Partien. IM Clovis Vernay (Genf) kam als Zweitbester auf 7 aus 9. GM Lothar Vogt, IM Werner Hug (beide Zürich), GM Florian Jenni, Dennis Kaczmarczyk (beide Winterthur), IM Roland Lötscher (Luzern) und IM Ioannis Georgiadis (Riehen) holten je 6½ aus 9.

Nationalliga A, 8. Runde

Luzern - Zürich 3:5 (Krämer - Bauer 0:1, Lötscher - Pelletier ½:½, V. Atlas - Kosteniuk 0:1, Kurmann - Hug ½:½, Riff - Studer 1:0, Bänziger - Vogt ½:½, Almada - Brunner ½:½, Beckhuis - Jon. Rosenthal 0:1).

Wollishofen - Winterthur 3½:4½ (Prusikin - Jussupow ½:½, R. Moor - Georgiadis 1:0, Mäser - Forster 0:1, Kessler - Jenni ½:½, Gähler - Ballmann ½:½, Hochstrasser - Schiendorfer ½:½, O. Moor - Kaczmarczyk 0:1, Fend - Schärer ½:½).

Genf - Riehen 3½:4½ (Edouard - Hickl ½:½, Sokolow - Heimann ½:½, Mirallès - Cvitan 0:1, Vernay - Renet 1:0, Riff - Georgiadis ½:½, Landenbergue - Brunner 0:1, Gerber - Toth ½:½, Vuilleumier - Buss ½:½).

Réti Zürich - Echallens 5:3 (Stojanovic - Gheorghiu ½:½, Godena - Colmenares ½:½, Hort - Bondar ½:½, Wyss - Valles 0:1, Antognini - Huss 1:0, Hofmann - Botta 1:0, Levrand - Duratti 1:0, Haas - A. Meylan ½:½).

Bodan Kreuzlingen - Solothurn 5:3 (Breder - Owsejewitsch ½:½, Zeller - L. Muheim ½:½, Hommeles - Flückiger ½:½, Weindl - Schwägli 1:0, Kühn - S. Muheim ½:½, Knödler - Habibi ½:½, Egle - Berchtold ½:½, Modler - Fischer 1:0).

Nationalliga A, 9. Runde

Zürich - Genf 4:4 (Bauer - Edouard ½:½, Pelletier - Sokolow ½:½, Kosteniuk - Riff ½:½, Hug - Vernay ½:½, Studer - Mirallès ½:½, Vogt - Vuilleumier ½:½, Brunner - Gerber 1:0, Jon. Rosenthal - Fioramonti 0:1).

Winterthur - Bodan 4½:3½ (Jussupow - Hommeles 0:1, Georgiadis - Zeller 0:1, Forster - Breder 1:0, Ballmann - Weindl 1:0, Kaczmarczyk - Kühn ½:½, Jenni - Modler 1:0, Schiendorfer - Knödler 0:1, Schärer - Schmid 1:0).

Riehen - Luzern 5½:2½ (Renet - Krämer 1:0, Heimann - Kurmann ½:½, Hickl - Atlas 1:0, Cvitan - Lötscher 0:1, Georgiadis - Riff 1:0, Brunner - Bänziger 1:0, Toth - Almada ½:½, Buss - Beckhuis ½:½).

Echallens - Wollishofen 4½:3½ (Gheorghiu - Prusikin 0:1, Botta - Kessler 1:0, Colmenares - R. Moor ½:½, Valles - Gähler 0:1, Bondar - Mäser ½:½, Duratti - Hochstrasser 1:0, Huss - Fend 1:0, A. Meylan - O. Moor ½:½).

Solothurn - Réti 3½:4½ (Owsejewitsch - Stojanovic 1:0, L. Muheim - Godena 0:1, Schwägli - Hort 0:1, Flückiger - Hofmann ½:½, Habibi - Antognini ½:½, Berchtold - Wyss 0:1, S. Muheim - Levrand 1:0, Thomi - Haas ½:½).

NLA-Schlussrangliste nach 9 Runden

1. Zürich 15 (45). 2. Winterthur 15 (42½). 3. Riehen 14 (46½). 4. Luzern 11 (43). 5. Genf 11 (40½). 6. Réti 8 (33). 7. Wollishofen 7 (32½). 8. Bodan 5 (33). 9. Echallens 4 (23/Absteiger). 10. Solothurn 0 (21/Absteiger).

Die erfolgreichsten Punktesammler in der NLA

GM Christian Bauer (Zürich) 8 Punkte aus 9 Partien, IM Clovis Vernay (Genf) 7/9, GM Lothar Vogt, IM Werner Hug (beide Zürich), GM Florian Jenni, Dennis Kaczmarczyk (beide Winterthur), IM Roland Lötscher (Luzern) und IM Ioannis Georgiadis (Riehen) je 6½/9.

Einzelbilanz der 10 NLA-Teams

Zürich (12 Spieler eingesetzt): GM Christian Bauer 8 Punkte aus 9 Partien, GM Lothar Vogt 6½/9, IM Werner Hug 6½/9, GM Yannick Pelletier 5/9, IM Noël Studer 4½/8, FM Jörg Grünenwald 3½/7, FM Jonathan Rosenthal 3/4, GM Alexandra Kosteniuk 2½/4, GM Lucas Brunner 2½/4, FM Lars Rindlisbacher 1/4, WGM Monika Müller-Seps 1/3, FM Norbert Friedrich 1/2.

Winterthur (11): GM Florian Jenni 6½/9, Dennis Kaczmarczyk 6½/9, IM Martin Ballmann 6/9, IM Richard Forster 5/9, IM Nico Georgiadis 3/9, FM Emanuel Schiendorfer 5½/8, GM Artur Jussupow 3½/7, Julian Schärer 3½/7, Philipp Balcerak 1/1, FM Kambez Nuri ½/1, FM Benedict Hasenohr ½/1.

Riehen (10): IM Ioannis Georgiadis 6½/9, GM Olivier Renet 5½/9, GM Ognjen Cvitan 5/9, GM Jörg Hickl 5/9, IM Nicolas Brunner 6/8, GM Andreas Heimann 5½/8, IM Ralph Buss 4½/7, Sebastian Schmidt-Schäffer 4/5, FM Patrik Grandadam 2½/5, IM Bela Toth 2/3.

Luzern (12): IM Roland Lötscher 6½/9, IM Oliver Kurmann 6/9, FM Enrique Almada 5½/9, GM Martin Krämer 3½/9, IM Valery Atlas 3/8, GM Robert Hübner 4/7, IM Vincent Riff 5/6, FM Gernod Beckhuis 2/5, FM Roger Gloor 3/4, FM Fabian Bänziger 1½/3, IM Beat Züger 2/2, Lubomir Kovac 1/1.

Genf (10): IM Clovis Vernay 7/9, GM Andrei Sokolow 5½/9, IM Richard Gerber 4/9, GM Gilles Mirallès 3/9, GM Jean-Noël Riff 4/8, IM Claude Landenbergue 3/8, GM Romain Edouard 4/7, IM Alexandre Vuilleumier 5/6, IM Nikita Petrow 2½/4, IM Hung Fioramonti 2½/3.

Réti (15): GM Mihajlo Stojanovic 4½/8, Francesco Antognini 4/8, FM Jonas Wyss 3/8, Carmi Haas 3/8, GM Vlastimil Hort 3½/7, GM Michele Godena 4½/6, IM Jewgeni Degtjarew 3/6, FM Kaspar Kappeler 2/4, Christian Wagner 1½/4, Roland Levrand 1/4, Michael Hofmann 1½/2, Sharif Mansoor 1/2, Vincent Kriste ½/2, Peter Pfister 0/1, Robert Hauser 0/1.

Wollishofen (11): FM Luca Kessler 5½/9 (IM-Norm),FM Marco Gähler 5½/9 (IM-Norm), GM Michael Prusikin 4/9, IM Olivier Moor 3½/9, FM Fabian Mäser 2½/9, IM Michael Hochstrasser 2/8, Jürgen Fend 3/5, IM Roger Moor 2/5, Andreas Umbach 2/4, Martin Albisetti 1/3, FM Felix Hindermann 1½/2.

Bodan (11): FM Dieter Knödler 5½/9, IMDennis Breder 5/9, Andreas Modler 4/9, IM Theo Hommeles 3/9, IM Peter Kühn 4½/8, IM Frank Zeller 4/8, IM Alfred Weindl 3/7, Michael Schmid 1½/5, Stefan Egle 1½/4, Peter Plüss 1/3, Vincenz Reichmuth 0/1.

Echallens (17): IM Andreas Huss 5/9,IM Manuel Valles 2½/8, Lindo Duratti 3½/7, FM Yevgen Bondar 3/7, FM Gabriele Botta 2/5, FM Aurelio Colmenares 1½/5, GM Florin Gheorghiu 1/5, André Meylan 1½/4, FM Daniel Stroppa 1½/3, Pascal Vianin ½/3, Shkelzen Murati 1/2, Jan Steenhuis 0/2, Egzon Elezi 0/2, Sylvain Carré 0/2, Cédric Pahud 0/1, Nicola Ambrosini 0/1, Pierre Meylan 0/1.

Solothurn (12): GM Sergej Owsejewitsch 4½/9, Thomas Flückiger 3/9, IM Ali Habibi 2½/9, Christian Berchtold 2/9, FM Bruno Schwägli 1½/9, Marcel Fischer 1½/8, Sebastian Muheim 2/6, Markus Muheim ½/5, FM Lukas Muheim 1½/4, Roberto Schenker 1½/2, Peter Thomi ½/1, Samuel Krebs 0/1.

Die Meister der letzten 10 Jahre

2016 SG Zürich

2015 Genf

2014 Réti Zürich

2013 Réti Zürich

2012 Genf

2011 Réti Zürich

2010 SG Zürich

2009 SG Zürich

2008 SG Zürich

2007 Mendrisio

2006 Reichenstein

Meistertitel seit der Einführung der SMM 1951

SG Zürich: 25

Allschwil: 8

Biel: 7

Nimzowitsch Zürich: 6

Genf: 4

Bern (Zytglogge): 3

Birseck: 3

Réti Zürich: 3

Basel: 2

Winterthur: 2

Luzern: 1

Reichenstein: 1

Mendrisio: 1

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