Neue FIDE-Regeln: Regelwidrige Züge im Blitzschach verlieren nicht mehr sofort

von Markus Angst

Turnierleiter und Schiedsrichter müssen inskünftig in der Lage sein, die Zeitgutschrift von einer oder zwei Minuten auf den elektronischen Uhren schnell einzustellen.

ma - Normalerweise werden die Schachregeln nur alle vier Jahre geändert. Leider wurden einige am 1. Juli 2017 eingeführte Neuerungen nicht zweifelsfrei formuliert. Deshalb wurden die FIDE-Regeln per 1. Januar 2018 an einigen Stellen präzisiert. Dabei wurden sie insbesondere im Blitzschach nochmals geändert. So verliert der erste regelwidrige Zug nicht mehr sofort die Partie.

Bei den regelwidrigen Zügen wurde klargestellt, dass der zweite regelwidrige Zug die Partie verliert – egal welcher Art der erste regelwidrige Zug war. Diese Regelung wurde sodann auf das Blitz- und Schnellschach ausgeweitet, was zur Folge hat, dass der erste regelwidrige Zug nicht mehr sofort verliert. Im Blitzschach bekommt der Gegner eine Zeitgutschrift von einer Minute, im Schnell- und Turnierschach beträgt die Gutschrift zwei Minuten.

Diese Änderung dürfte für viele Spieler äusserst ungewohnt sein. Die Absicht des Weltschachbundes FIDE besteht darin, die Regeln für Blitz- und Schnellschach kontinuierlich an das Turnierschach anzugleichen.

Weiterhin wurde klargestellt, dass der Schiedsrichter Zeitüberschreitung reklamieren muss, wenn er dies bemerkt. Die Regel, wonach im Blitz- und Schnellschach bei einer Reklamation auf Zeitüberschreitung der Reklamierende noch über eigene Bedenkzeit auf der Uhr verfügen muss, wurde ersatzlos gestrichen.

Das bedeutet, dass das erste gefallene Blättchen zählt, so dass es jedenfalls beim Einsatz von elektronischen Uhren in solchen Fällen immer einen Sieger gibt. Das Ergebnis ist nur dann Remis, wenn der Antragsteller aus dieser Stellung heraus mit einer Folge regelgemässer Züge den gegnerischen König nicht mattsetzen kann (Quelle: Deutscher Schachbund, IA Jürgen Klüners).

Zu regelwidrigen Zügen zählen:

  • Ein unmöglicher Zug.
  • Einen Bauern auf die letzte Reihe zu ziehen und ohne ihn umzuwandeln die Uhr drücken.
  • Züge zweihändig auszuführen (rochieren, schlagen, umwandeln).
  • Ohne einen Zug auszuführen die Uhr drücken.

Nach dem zweiten regelwidrigen Zug ist die Partie verloren – ausser wenn der Antragsteller aus dieser Stellung heraus mit einer Folge regelgemässer Züge den gegnerischen König nicht mattsetzen kann. Dann ist das Ergebnis Remis.

Wichtig werden damit für die Turnierleiter und Schiedsrichter die Kenntnisse darüber, wie die eingesetzten elektronischen Uhren funktionieren. Sie müssen inskünftig in der Lage sein, schnell die Zeitgutschrift von einer oder zwei Minuten dem im Recht befindenden Spieler auf der Uhr einzustellen.

Wer die Regeln in der englischen Originalversion nachschlagen will, macht dies am besten im neuen «Arbiter Manual 2018», in dem zudem einzelne Punkte der Regeln von der FIDE Arbiters-Commission kommentiert sind: http://arbiters.fide.com/images/stories/downloads/2018/Arbiters-Manual-2018-v0.pdf

Am Informationstag des Schweizerischen Schachbundes (SSB) für Schiedsrichter und Turnierleiter vom 2. Juni in Ittigen werden diese Regeln bestimmt für Diskussionsstoff sorgen.

Georg Kradolfer

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