Neue Sportarten in Jugend+Sport: Stand der Dinge

von Werner Aeschbach (Kommentare: 0)

Das Jugendschach in der Schweiz boomt: Eine Impression von einem Qualifikationsturnier zur Schweizer Meisterschaft der Junioren. Der Teilnehmerrekord bei diesen Turnieren liegt bei 276 Kindern und Jugendlichen.

wa - Seit Jahren strebt der Schweizerische Schachbund (SSB) die Aufnahme von Schach in das Jugendsportförderprogramm des Bundes, Jugend+Sport (J+S), an. Bisherige Aufnahmegesuche wurden jedoch vom Bundesamt für Sport (BASPO) mit Verweis auf ein bestehendes Moratorium für die Aufnahme neuer Sportarten abgelehnt. Diese unerfreuliche Situation könnte sich bald ändern.

Das Moratorium wurde 2009 aus finanziellen Gründen vom Bundesrat eingeführt. Eine im letzten Sommer von Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger (CVP, LU) eingebrachte Motion fordert die Aufhebung des Moratoriums für neue J+S-Sportarten. Der Nationalrat hat dieser Vorlage am 21. September 2017 mit klarer Mehrheit (133:37 Stimmen) zugestimmt.

Das Geschäft kommt in der laufenden Frühjahrssession des Parlaments vor den Ständerat. Die Beratung ist für 6. März 2018 geplant. Der SSB verfolgt die anstehende Entscheidung mit grosser Spannung. Das BASPO will nach dem Entscheid interessierte Verbände informieren – sicherlich ist der Schachsport nicht der einzige Kandidat für eine mögliche Erweiterung des Sportartenkatalogs von J+S.

Sollte das Moratorium aufgehoben werden, steht der SSB bereit für einen neuen Anlauf zur Aufnahme bei J+S. Mit der seit 2016 bestehenden Fachstelle für Nachwuchsförderung und Ausbildung wurde für die Jugendarbeit im SSB eine professionelle Basis geschaffen. Vor einem Jahr startete ein systematisches Ausbildungsprogramm für Jugendleiter, das sich an den Leiterkursen von J+S orientiert. 2017 wurden zwei Einführungskurse für Jugendleiter auf Deutsch durchgeführt, am letzten Wochenende folgte ein solcher Kurs auf Französisch.

In Zeiten eines Booms im Kinder- und Jugendschach, der sich beispielsweise in der Gründung mehrerer kommerzieller Schachschulen und einem Anstieg der SSB-Mitglieder U16 auf zeitweise über 1000 Jugendliche manifestiert, ist die Nachfrage nach einer strukturierten Ausbildung für Schachtrainer und -lehrer gross. Die Einführungskurse wurden von insgesamt 85 Teilnehmern besucht, hinzu kamen weitere 52 an zwei Weiterbildungskursen. Die Absolventen der Kurse sind überwiegend als Betreuer von Jugendgruppen in den Vereinen aktiv. Das Ausbildungsangebot dient somit – wie vom SSB beabsichtigt – der Unterstützung und Optimierung der Jugendarbeit in den Vereinen.

Eine Beschreibung des Ausbildungsprogrammes des SSB sowie eine Liste der aus diesen Kursen sowie aus Ausbildungen des Weltschachverbandes FIDE hervorgegangenen Jugendtrainer werden demnächst auf den Jugendschachseiten der SSB-Homepage veröffentlicht.

Details zur Motion Gmür-Schönenberger sind bei der Bundesverwaltung einzusehen: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20173605.

Das Ausbildungskonzept des SSB findet sich hier: http://www.swisschess.ch/tl_files/ssb/jugendschach/infos/Foerderkonzept_Nachwuchs.pdf

« Zurück

Einen Kommentar schreiben